Psychotherapie

Panikattacken

Es passiert scheinbar „aus heiterem Himmel“ und in – objektiv erlebten – „ungefährlichen“ Situationen: plötzlich fängt das Herz zu rasen an, Atemnot und Schwindel setzen ein, ein Druck in der Brust wird spürbar und eine Riesenangst, sterben zu müssen macht sich breit. Dass alle diese Symptome eine psychische Ursache haben könnten, kommt zunächst kaum jemandem in den Sinn. Oft beginnt so eine längere Phase unterschiedlicher medizinischer Konsultationen – doch letztlich können auch die Ärzte keine körperliche Ursache feststellen. Aber was war es dann?
Wenn mindestens vier der untenstehenden Symptome zutreffen, dann kann mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Panikattacke ausgegangen werden.

Körperliche Symptome:
1. Herzrasen, Herzklopfen oder erhöhte Herzfrequenz
2. Schweißausbrüche
3. fein- oder grobschlägiges Zittern (Tremor)
4. Mundtrockenheit (nicht als Folge von Medikamenten oder Austrocknung)

Symptome, die den Brustkorb oder den Bauch betreffen: 
5. Atembeschwerden
6. Beklemmungsgefühl
7. Schmerzen und Missempfindungen in der Brust
8. Übelkeit oder Missempfindungen im Magen

Psychische Symptome:
9. Schwindel, Unsicherheit, Schwäche oder Benommenheit
10. Entfremdungsgefühl gegenüber der eigenen Person (Depersonalisation) oder Gefühl der Unwirklichkeit der Umwelt (Derealisation)
11. Angst die Kontrolle zu verlieren, verrückt zu werden oder „auszuflippen“
12. Angst zu sterben (die auftretenden Symptome lösen Todesangst aus)

Allgemeine Symptome:
13. Hitzegefühle oder Kälteschauer
14. Gefühllosigkeit oder Kribbelgefühle

Die „richtige“ Diagnose ist zunächst für die meisten PatientInnen eine enorme Entlastung: Nein, sie sind nicht verrückt oder hysterisch oder bilden sich das alles nur ein. Ihre Symptome haben eine Ursache und einen Namen. Aber was dann? Denn mit der Diagnose alleine geht die Angst auch nicht weg. Im Gegenteil – die „Angst vor der Angst“ erzeugt oft sogar neue Symptome: Sozialer Rückzug (bis zur Isolation), Depressionen, Einschränkung der Bewegungsfreiheit, manchmal auch Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch und längere Krankenstände sind oft „typische“ Begleitsymptome bei einer Panikstörung. Dieses ständige „Sicherheitsverhalten“ wird auch von der Familie oft als besonders belastend erlebt: nicht zu viel Anstrengung, ständiges Mitführen von Notfallmedikamenten, ständige Anwesenheit von Partnern oder Freunden, u.s.w.

Diese ängstlichen „Vorsorgemaßnahmen“ haben aber eine paradoxe Wirkung: weil die Psyche ständig in Alarmbereitschaft ist, steht auch der Körper unter Dauerstress – Panikattacken werden so regelrecht „eingeladen“.

Panikstörungen lassen sich in der Regel psychotherapeutisch gut behandeln. In der Therapie lernen die Betroffenen, ihrem Körper langsam wieder zu vertrauen und ihn nicht als „Feind“, sondern als Bündnispartner zu erleben. Sie erkennen auch, dass „es“ meist nicht „aus heiterem Himmel“ passiert, sondern die Panik sich Schritt für Schritt aufbaut, wenn der Stresspegel steigt. In der Therapie geht es also auch darum, die Anzeichen von erhöhtem Stress zu erkennen und rechtzeitig aktiv gegenzusteuern. Diverse Entspannungstechniken und Imaginationen können zusätzlich unterstützen, sich selbst rechtzeitig wieder zu beruhigen.